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«Ich kann nicht einfach still sitzen und nichts tun»

Text

Pierre Wuthrich

Erschienen

01.09.2022

Drei Mädchen wärmen sich auf für denSierre-Zinal-Kinderlauf in Sierre

«IdéeSport» hat ein effektives Mittel gegen die Volkskrankheit Bewegungsmangel gefunden: Jugendliche motivieren andere Jugendliche zu Sport und Spiel. Dafür erhält die Stiftung nun den Adele-Duttweiler-Preis.

Merhawit Eman hat gerade mit der Fachmittelschule in Sion VS begonnen, in ihrer Freizeit tanzt und singt sie gern. Trotzdem ist die 15-Jährige kein durchschnittlicher Teenager, denn sie übernimmt bereits Verantwortung für andere Menschen. Die Walliserin mit eritreischen Wurzeln ist Junior Coach bei der Stiftung «IdéeSport» und motiviert Gleichaltrige, sich über Sport und Spiel körperlich zu betätigen.

«Seit einem Jahr leite ich an zwei bis drei Samstagen pro Monat die Abendveranstaltungen in der Turnhalle der Schule Sacré-Cœur», sagt Merhawit. Sie empfängt die Teilnehmenden, beaufsichtigt die Halle oder betreibt den kleinen Kiosk. «Ich kann nicht einfach nur stillsitzen und nichts tun, ich muss mit gutem Beispiel vorangehen. Wenn ich sehe, dass andere nichts tun, lade ich sie ein, beim Fussball, Basketball oder Sitzball gemeinsam Spass zu haben.»

Merhawit ist eine der schweizweit gut 2400 Junior Coaches von «IdéeSport». Am Ende ihrer Einsätze erhält sie jeweils eine kleine Vergütung. Gemäss der Stiftung kann das Amt so aufgewertet und Jugendliche an eine erste berufliche Tätigkeit herangeführt werden. Besagte Abendveranstaltungen «MidnightSports» finden in gut 100 Schweizer Gemeinden statt, die insgesamt über 22 000 Events ziehen jährlich 80 000 Jugendliche an.

Portrait Merhawit Eman

Merhawit Eman ist eine von gut 2400 Junior Coaches bei «IdéeSport» und motiviert andere Jugendliche zu Bewegung und Sport.

Wenn ich sehe, dass andere nichts tun, lade ich sie ein, beim Fussball, Basketball oder Sitzball gemeinsam Spass zu haben.

Merhawit Eman (15)

Ohne Wettbewerbsgedanke

Die 1999 gegründete Stiftung «IdéeSport» setzt sich für die Förderung körperlicher Aktivität in einer Welt ein, in der Bewegungsmangel zu einem grösseren Problem wird. Allen Veranstaltungen gemein ist: gratis, keine Anmeldung, kein Wettbewerbsgedanke – ein niederschwelliges Angebot für möglichst viele, darunter Menschen mit Migrationshintergrund oder aus benachteiligten Verhältnissen.

Für diese Bemühungen erhält «IdéeSport» den mit 100 000 Franken dotierten Adele-Duttweiler-Preis. Dieser ist nach der starken Frau an der Seite von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler benannt und wird alle zwei Jahre an Personen und Organisationen verliehen, die sich im sozialen Bereich besonders verdient gemacht haben.

Fotos: Dominic Steinmann

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