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Vielleicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Text

Deborah Bischof

Erschienen

24.05.2024

buehne-freundschaftsportrait

Die Santhirapillais aus Sri Lanka und Eva Meienberg aus Zürich haben sich bis vor Kurzem nicht gekannt. Jetzt gehen sie zusammen ins Kino, bekochen sich und lernen Deutsch. Alles begann mit der Migros.

Wenn Arulini Santhirapillai und Eva Meienberg vom vergangenen Abend erzählen, klingt es fast so, als wären ihre Familien schon lange befreundet. Arulini kam mit ihrem Vater Sandren zu Besuch, die beiden kochten für Meienberg, ihren Mann und deren Söhne. Es gab Lammcurry, die Männer unterhielten sich über Motorräder, und am Ende blieb zu viel Reis übrig. Tatsächlich kennen sich die beiden Frauen aber erst wenige Wochen. Sie trafen sich über das Projekt «Kombi» von Solinetz. Dieses bringt Menschen mit negativem Asylentscheid mit Freiwilligen zusammen.

Vergangenheit Sri Lanka

Meienberg stösst damals über ihren Beruf als Journalistin auf das Projekt. «Statt immer nur über Menschen zu schreiben, die sich sozial engagieren, wollte ich irgendwann selbst etwas beitragen», sagt die 46-Jährige. Also meldete sie sich als Freiwillige. Vor dem ersten Treffen habe sie jedoch grossen Respekt gehabt. «Ich wusste, dass ich Menschen begegnen werde, die ein schweres Schicksal haben und die Schweiz trotzdem wieder verlassen müssen.» Arulini Santhirapillai dagegen wollte eigentlich nicht zum Treffen. Ihr Vater habe sich angemeldet und sie überredet, mitzukommen, erzählt die 21-Jährige. «Ich bin schüchtern, wenn es darum geht, neue Menschen kennenzulernen.» Das liegt wohl auch an ihrer Vergangenheit. Sie erzählt von der Jugend in Sri Lanka, den Soldaten, die immer wieder an der Haustür standen und wissen wollten, wo ihr Vater sei. Der Gewalt, die sie ihr angetan hatten. Und dem Gefühl, dass sie nicht mehr leben wollte.

Vor fünf Jahren stieg sie schliesslich in ein Flugzeug und folgte ihrem Vater in die Schweiz. Die Mutter und ihre drei Geschwister blieben zurück. Der Vater war vier Jahre zuvor geflüchtet. Seither hoffen die beiden auf ein Aufenthaltsrecht in der Schweiz. «Ich möchte eine Lehre machen und ein normales Leben führen», sagt Arulini. Sie könne die Situation der beiden nicht ändern, sagt Meienberg. «Aber ich kann ihnen zuhören.»

Ungewisse Zukunft

Die drei lernen sich Mitte März 2024 beim offiziellen Projektstart von «Kombi» im Kirchgemeindehaus am Zürcher Stauffacher kennen. «Eigentlich war zunächst nur Sandren mein Projektpartner, Arulini war für mich aber eine schöne Überraschung dazu.» Seither treffen sie sich mindestens einmal pro Woche, trinken Kaffee zusammen oder gehen spazieren. Meienberg und Arulini waren auch schon zusammen im Kino, mit deren Vater lernt Meienberg zusätzlich Deutsch.

«Wir kennen uns zwar noch nicht lange, aber ich kann mir gut vorstellen, dass daraus eine schöne Freundschaft entsteht», sagt Meienberg. Arulini sieht das ähnlich: «Mich freut es vor allem, dass mein Vater mehr herauskommt», sagt sie. Er sitze sonst oft allein zu Hause und mache sich Sorgen über die Zukunft. Denn noch ist offen, ob Arulini Santhirapillai und ihr Vater Sandren in der Schweiz bleiben dürfen.

Die Freundschaftsinitiative in Zahlen

10

Monate lang hat Migros-Engagement Freundschaften mit verschiedenen Aktivitäten gefeiert und gefördert – von August 2023 bis in den Mai 2024.

5850

digitale Freundschaftsgrüsse wurden im Wettbewerb der Initiative über die Website des Migros-Engagements übermittelt. Daneben wurden total rund 11 000 vorfrankierte, in den Filialen verteilte Freundschafts-Postkarten verschickt. Das Motto: Meldet euch mal wieder bei euren Liebsten!

67

Projektideen für die Förderung von Freundschaften wurden im Herbst 2023 aus der ganzen Schweiz eingereicht. 15 Finalistinnen und Finalisten wurden ausgewählt, und die Öffentlichkeit konnte Anfang dieses Jahres für ihre Lieblingsprojekte abstimmen.

6410

Leute haben am Voting teilgenommen und insgesamt 48 136-mal abgestimmt.

10

Projekte – unter ihnen das Projekt «Kombi» von Solinetz (siehe Artikel) – gingen schliesslich als Sieger aus dem Voting hervor und erhielten zwischen 10 000 und 50 000 Franken für die Umsetzung ihrer Idee.

Die Freundschaftsinitiative ist ein Projekt des Migros-Kulturprozents.

Ein engagiertes Aufeinandertreffen: Die Gewinner*innen tüftelten gemeinsam an ihren Projekten.

Foto/Stage: Desirée Good

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