Header

Wie sagen wir es den Kindern?

Text

Rahel Schmucki

Erschienen

18.01.2024

Trennung-mit-kindern-header

Wenn Eltern sich trennen, reagieren Kinder meist heftig. Wann teilt man es ihnen mit und welche Fehler sollte man vermeiden? Trennungsberaterin Monique Wahlen liefert Antworten.

Darf man vor den Kindern streiten oder sollte man versuchen, den Konflikt zu verbergen?

Egal, wie gut man einen Konflikt zu verstecken versucht, die Kinder spüren fast immer, dass etwas nicht stimmt. Deshalb macht es wenig Sinn, Streitereien zu verstecken. Es ist aber wichtig, einen Streit nicht vor den Kindern eskalieren zu lassen. Und sogenannte Erwachsenenthemen wie Eifersucht, Sexualität oder auch einen Seitensprung sollten nicht vor den Kindern thematisiert werden, da sie über deren Verständnis hinausgehen. 

Ist es gut, den Kindern zuliebe zusammenzubleiben?

Eine Trennung ist für Kinder immer schwierig. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass Eltern überlegen, sich den Kindern zuliebe nicht zu trennen. Studien zeigen jedoch, dass Kinder sich in ihrem Beziehungsmuster stark an der vorgelebten Beziehung ihrer Eltern orientieren. Deshalb sollte man sich gut überlegen, ob man sich für sein Kind eine solche abgekühlte Beziehung in Zukunft wünscht, oder sich eher trennen sollte.

Wann sollten die Kinder bei einer Trennung informiert werden? 

Sobald die Trennung definitiv ist. Natürlich können die Eltern sich zuerst mit ihren Vertrauenspersonen austauschen, aber danach sollten ihre Kinder erfahren, was los ist. Egal, in welchem Alter sie sind. Sonst riskiert man eine Zeit der Verunsicherung, in der sich die Kinder allenfalls selbst die Schuld an der angespannten Situation geben oder sie erfahren es im schlimmsten Fall von jemand anderem.

Im Jahr 2022 lag die Scheidungsrate bei rund 40 %

16201

Scheidungen wurden im 2022 insgesamt verzeichnet

7739

davon waren Ehen, die 15 oder mehr Jahre gehalten haben

13030

Kinder gab es 2022 aus geschiedenen Ehen

Quelle: Bundesamt für Statistik

Gibt es ein «zu früh» oder «zu spät»?

Ein zu früh gibt es eigentlich nicht. Eltern dürfen ihren Kindern durchaus zeigen, dass sie noch nicht detailliert wissen, wie es weiter geht. Sie sollen ihnen jedoch versichern, dass beide gute Lösungen suchen. Die Eltern müssen selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder nur über die Trennung informieren oder ihnen bereits einen fertigen Plan präsentieren wollen.

Wie soll das Gespräch mit den Kindern ablaufen?

Egal wie sehr man sich das Gegenteil wünscht: Diese Nachricht wird für die Kinder keine gute sein und sie traurig machen. Deshalb muss die Nachricht klar sein: «Wir trennen uns, aber als Eltern sind wir weiterhin für euch da.» Wichtig ist auch den Kindern immer wieder zu sagen: «Ihr tragt keine Schuld.» Falls die Eltern schon wissen, wie die Wohnsituation und die Kinderbetreuung zukünftig geregelt werden sollen, können sie dies bereits ansprechen. Eltern dürfen aber auch zugeben, dass sie noch nicht für alles eine Lösung haben. Für die Kinder ist wichtig, dass beide Elternteile weiterhin verfügbar sind und sie sich bemühen, individuell passende Lösungen zu finden.

Spielt es eine Rolle, wie alt die Kinder sind?

Natürlich sollten die Kinder in einer altersgerechten Sprache informiert werden, aber die Grundaussage bleibt die gleiche. 

Wer soll bei diesem ersten Gespräch dabei sein?

Die Eltern und alle Kinder. Wenn man den Kindern vermitteln will, dass beide Elternteile auch nach der Trennung für sie da sind, ist es wichtig, dies auch gemeinsam mitzuteilen. 

Was sollte man beim Gesprächen vermeiden?

Die Eltern sollten keine detaillierten Gründe für die Trennung nennen. Die Kinder werden diese nicht verstehen und als Eltern gerät man schnell, auch unbewusst, in Schuldzuweisungen. Das kann dazu führen, dass die Kinder das Gefühl haben, sie müssen Partei ergreifen. 

Wo können sich Eltern Hilfe holen?

In manchen Gemeinden kann man sich bei der Elternberatung melden, in anderen gibt es sogenannte Trennungsberaterinnen. Geht es dem Paar bereits um finanzielle Fragen,  hilft ebenfalls ein diplomierter Trennungsberater oder eine Mediation, die auf das Familienrecht spezialisiert ist.

Was können Aussenstehende tun, wenn sie ein ungutes Gefühl haben?

Dann sollte man die Erwachsenen in einem ruhigen Moment ohne Kinder darauf ansprechen und fragen, ob die Eltern Hilfe brauchen. Konkrete Verbesserungsvorschläge kommen meistens nicht gut an. Sprechen die Kinder das Thema gegenüber Aussenstehenden an, kann man das Kind zum Beispiel fragen: «Wie geht es dir dabei?» und so das Thema auffangen.

Zur Person

Monique Wahlen ist dipl. Trennungsberaterin und dipl. Paar- und Familienberaterin IKP. Sie arbeitet in eigener Praxis in Herzogenbuchsee BE.

Foto/Stage: Getty Images

Welche Erfahrungen hast du zu diesem Thema gemacht? Teile sie mit uns in den Kommentaren. 

Deine Meinung