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Den Traum leben wie im Musical

Text

Deborah Bischof

Erschienen

29.11.2023

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Von Hünenberg ZG aus singt sich die 18-jährige Lou Vogel auf die grosse Bühne der Zürcher Maag Halle. Doch Ort ihres persönlichen Happy End ist vorerst London.

Rund 1000 Zuschauerinnen und Zuschauer warten gebannt auf ihren Stühlen, als Lou Vogel in schwarzer Nonnenkutte zum Solo ansetzt: «D’Wält, won ich nöd känn», singt sie. Allein auf der Bühne der Maag Halle Zürich fühlt sie Zeile für Zeile mit ihrer Rolle mit: Maria Roberta, eine schüchterne Nonne, die sich nach einem Leben ausserhalb der Klostermauern sehnt.

Auch Lou Vogel träumt in dieser Zeit von einer weit entfernten Welt. Eine, die sich gut 870 Kilometer entfernt abspielt: an einer Akademie für Musicaltheater in London.

«Ich wusste schon früh, dass ich für meine Träume die Schweiz verlassen muss», erzählt die 18-Jährige beim Treffen in ihrem Elternhaus in Hünenberg ZG. Sie sitzt aufrecht an einem grossen dunklen Holztisch, hinter ihr verlieren sich in den Panoramafenstern die Wiesen im Nebel. Welche Träume? Sofort schwärmt sie von den grossen Bühnen am Broadway, dem Londoner West End und der Filmwelt in Hollywood. Ihre Stimme überschlägt sich dabei fast vor Euphorie, und die lockige Mähne hüpft auf und ab, als würde sie die Begeisterung teilen.

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Erster Kontakt mit sechs Jahren

Vogel brennt für Musicals, seit sie sechs Jahre alt ist. Damals versinkt sie am Londoner West End selbst das erste Mal in einem Sessel und folgt Charlie durch die Schokoladenfabrik. «Ich weiss noch, das Musical war auf Englisch, und ich habe kein Wort verstanden», sagt sie und kichert. Doch es spielt keine Rolle: Farben, Kostüme, Gesänge und Tänze entführen die Sechsjährige in eine fremde Welt. Eine, zu der sie nun auch gehören will.

Gesungen habe sie schon immer, so Vogel. «Aber früher ganz, ganz schief.» Wieder kichert sie. Es sei erst besser geworden, als eine Freundin ihrer Mutter ein Musikprojekt gegründet hat. Kinder singen für Kinder, so die Idee. Mit dabei auch die siebenjährige Lou und Schwester Kim. Mit den «Schwiizergoofe» touren sie drei Jahre durchs Land. Dann wechselt Vogel bei der Musicalschule Voicesteps Cham, die damals die Kinder für das Projekt ausbildet, in eine höhere Altersstufe zu den Musicals.

Die erste Rolle? «Annie im Musical ‹Annie›», sagt sie, schiebt aber gleich nach: «Ein Glücksfall, ich war das jüngste Mädchen der Stufe.» Auf Annie folgt der Esel in «Shrek», dann Aladdin im gleichnamigen Stück. Parallel ergattert sie im Kinofilm «Papa Moll» die Rolle von Jackie, der Tochter von Molls Chef. Auch da: «Grosses Glück, Grösse und Alter passten gerade», sagt sie.

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Grosser Auftritt: Lou Vogel (2. v. l.) in «Sister Äct» in der Maag Halle (Foto: Pressebild Sister Äct) (Foto: Iris Steger)

Noch zu jung für die Rolle

Mit 14 Jahren bewirbt sie sich für Maria Roberta im Musical «Sister Äct». Jene Rolle, in der sie drei Jahre später ihr Solo singen wird. Damals hält sie Regisseur Dominik Flaschka für zu jung, er erteilt ihr eine Absage.

Kurz darauf reist die 15-Jährige für ein Austauschjahr nach Florida. Sie will eine High School mit Fokus Musical besuchen. Anfangs sei es ihr schon schwergefallen, so ganz allein. «Zum Glück hatte ich meine Gastfamilie, sie hat mich unterstützt.» Nach den herkömmlichen Fächern wird in der Schule nachmittags an der Schauspieltechnik gefeilt. «Wir haben viel mit der Stanislawski-Methode gearbeitet, die ich bis heute anwende.» Das heisst? «Dabei sucht man Gemeinsamkeiten zwischen dem eigenen Leben und der Rolle, damit man deren Emotionen verstehen kann.»

Noch im Austauschjahr bricht Vogel das Gymnasium ab. Mit ihren Eltern vereinbart sie eine Auszeit von einem Jahr. Sie will versuchen, einen Platz für ein Studium in Musicaltheater an einer Universität in London zu kriegen. Gelingt es nicht, würde sie an die Kanti zurückkehren. 

Da kommt der Anruf von Dominik Flaschka gerade rechtzeitig. Der Start von «Sister Äct» habe sich durch Corona verschoben, sagt der Regisseur und fragt die mittlerweile 17-Jährige, ob sie die Zweitbesetzung der Maria Roberta übernehme. «Für mich war das ein Zeichen, dass ich auf dem richtigen Weg bin.» 

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Gegen 4000 durchgesetzt

Zurück in der Schweiz probt sie zwei Monate fünf bis sechs Tage pro Woche für das Musical, im November 2022 beginnen die Shows. Insgesamt tritt sie 21-mal auf, daneben nutzt sie jede freie Minute für die Aufnahmeprüfungen. «Teilweise bin ich an einem Tag nach London geflogen und stand am nächsten Abend in Zürich auf der Bühne.» 

Im März wird ihr Ehrgeiz belohnt. Bei einer dreitägigen Audition setzt sie sich gegen rund 4000 Mitbewerberinnen und -bewerber durch. Sie er-hält einen Platz an der Mountview Academy of Theatre Arts im Süden Londons. Wieder nur Glück? «Ein bisschen Talent braucht es vermutlich schon», sagt sie und schmunzelt verlegen.

Seit September lebt Lou Vogel nun mit fünf Studierenden in einem Backsteingebäude in London. Alles sei perfekt: die Kurse, die Shows, die Mitstudierenden, sagt sie. Die Locken hüpfen.

Foto/Bühne: Stefan Kaiser / CH Media

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