Header

Beginnt 2024 endlich die Zukunft?

Erschienen

21.12.2023

next-big-things-header

Intelligentes Recycling, künstlich hergestelltes Fleisch oder selbstfahrende Taxis: Viele verheissungsvolle Dinge stehen angeblich kurz vor dem Durchbruch. Wir haben uns die Interessantesten davon genauer angeschaut.

next-big-thing-aris-messinis

(Foto: Aris Messinis)

Päckli-Drohnen

Die letzte Meile bis zur Lieferadresse ist logistisch anspruchsvoll und teuer. Könnten irgendwann Paketdrohnen den Lieferwagen ersetzen? Laut Beratungsunternehmen McKinsey waren im vergangenen Jahr täglich mehr als 2000 Pakete mit Drohnen unterwegs, Tendenz steigend. Doch die Schweizerische Post kam nach Versuchen von 2017 bis 2022 mit der Technologie zum Schluss, dass die Zeit noch nicht reif sei. Seither verfolgt ihr damaliger Partner Matternet das Projekt allein weiter. Die US-Firma will sich in einer ersten Phase auf ein Netzwerk im Grossraum ­Zürich konzentrieren, und zwar im Gesundheitsbereich: Transport von Laborproben aus Spitälern in Labors, Blutkonserven von Blutbanken in die Spitäler sowie Arzneimittel von Apotheken in die Spitäler. «Wir hoffen, in der zweiten Hälfte 2024 zu starten», sagt James Goldfarb von Matternet.

next-big-thing-alephcuts

(Foto: Aleph Cuts)

Kultiviertes Fleisch

Der grosse Vorteil von kultiviertem Fleisch liegt darin, dass keine Tiere dafür sterben müssen. Einer Kuh werden schmerzfrei Stammzellen entnommen, aus denen in einem Bioreaktor Rindfleisch entsteht. Die Herstellung eines Steaks dauert etwa sieben Wochen. Während der erste Burger 2016 noch 250 000 Dollar kostete, bekommt man in einem Bistro in Singapur inzwischen für 18 Dollar ein Sandwich mit einer kleinen Menge an kultiviertem Rindfleisch. Die Migros beteiligt sich an Firmen, die kultiviertes Fleisch entwickeln, darunter der Cultured Food Innovation Hub in Kemptthal ZH. Frühestens in drei Jahren könnten sie Schweizer Restaurants im gehobenen Segment als Spezialität Steaks liefern. Bis das Fleisch möglicherweise im Supermarkt erhältlich ist, wird noch viel mehr Zeit vergehen.

yarn-to-yarn-teaser

(Foto: YARN-TO-YARN®)

Sportbekleidung endlich recyceln 

Die elastische Badehose, die wasserabweisende Jacke, die bequeme Yogahose: Sie alle können nicht recycelt werden – bis jetzt! Das vom Migros-Pionierfonds unterstützte Start-up Yarn-to-Yarn entwickelt ein neuartiges Verfahren, um hochwertiges Garn aus gemischten Kunstfasern zu gewinnen. Im Labor gezüchtete Enzyme spalten die synthetischen Materialien in ihre ursprünglichen Bestandteile auf. So wird Nylon gewonnen, aus dem anschliessend Garn für neue Kleider entsteht.

 

Waschmittel aus CO₂

Was hat Kohlendioxid mit Waschen zu tun? In naher Zukunft sehr viel. Für 2024 plant die Mibelle Group eine Innovation: ein Waschmittel mit Tensiden aus rezykliertem CO₂. Diese chemischen Verbindungen lösen Fett und Schmutz. Für ihre Herstellung braucht es Ethanol, und dieses kann aus rezykliertem CO₂ erzeugt werden. Dafür spannt die Migros mit dem Unternehmen Lanzatech zusammen. In der CO₂-Recyclinganlage der Firma wandeln Mikroorganismen Abgase aus der Stahlindustrie – neben Kohlendioxid (CO₂) auch Kohlenmonoxid (CO) – in Ethanol um.

next-big-thing-anna tina eberhard

(Foto: Anna Tina Eberhard)

Einkaufen ohne Kasse

Bei der Migros ist die Technologie des sogenannten Just Walk Out bereits Realität: Mit «Subito Go» können die Artikel direkt in der Migros-App gescannt und bezahlt werden. Zum Einsatz kommt die Bezahlmöglichkeit auch in Filialen von «Migros teo», die rund um die Uhr geöffnet sind. «Das ist ein grosses Bedürfnis. Für 85% der Schweizerinnen muss Einkaufen vor allem schnell und effizient sein», sagt Gianluca Scheidegger, Konsumforscher am GDI. Britische Studien besagten sogar, dass drei Viertel der Menschen den Kauf abbrechen, wenn sie mehr als 5 Minuten an der Kasse warten müssen. Künftig könnten Kundinnen und Kunden sogar den Laden betreten und ihre Waren aus dem Regal nehmen, während Systeme im Hintergrund bereits automatisch den Inhalt des Warenkorbs berechnen. Beim Verlassen des Ladens würde der Bezahlprozess automatisch abgeschlossen.

next-big-thing_Terry Chea

(Foto: Terry Chea)

Selbstfahrende Autos

Taxi ohne Chauffeur? Das ist in San Francisco (USA) bereits Alltag. Dort fahren 250 Robo-Taxis der Firma Waymo durch die Stadt. Europa ist noch nicht so weit, in Deutschland will Volkswagen Ende 2025 die ersten Robo-Shuttles einsetzen. Auch bei uns soll das autonome Fahren auf öffentlichen Strassen in Zukunft möglich sein. Dabei dürfte das Lenkrad während der Fahrt losgelassen werden, man müsste es aber jederzeit wieder selbst übernehmen können. Die Migros ex­perimentierte 2023 mit einem selbstfahrenden Lieferwagen, der Einkäufe 500 Meter von der Filiale in Ebikon LU zum Firmencampus der Firma Schindler fuhr.

next-big-thing-mgb

(Foto: MGB)

Plastikrecycling mit KI

Die grosse Herausforderung beim Rezyklieren von Kunststoff stellt das Sortieren der Verpackungen dar. Bald entsteht in der Schweiz eine neue Sortieranlage, bei der künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt: Sie ­erkennt das Sammelgut mit bestechender Genauigkeit – und vor allem schnell. Pro Sekunde sortiert sie rund 50 Teile. 2024 erwartet die Inno-Gruppe grünes Licht für eine solche Anlage in Eschlikon TG, frühester Baubeginn wäre 2026. Auch die Inhalte des Migros-Plastiksammelsacks landen bei der Inno-Gruppe.

Kryptowährungen

Was sind eigentlich Kryptowährungen?

Das sind digitale Ver­mögenswerte, vergleichbar mit einem Bankguthaben. Man kann sie über ans Internet angeschlossene Smartphones oder Com­puter kaufen, verkaufen, aufbewahren und als Zahlungsmittel verwenden.

Wo kommen sie bisher schon zum Einsatz?

Eher im Hintergrund. So wickeln Firmen ihren internen Zahlungsverkehr über Kryptowährungen ab. Auch die internatio-nale Vermögensverwal-tung setzt vermehrt darauf. In Ländern, wo kein Ver­trauen in die lokale Währung besteht, bieten sich Kryptowährungen als Ausweichmöglichkeit an. Bis wir im Laden oder Restaurant damit bezahlen, wird es aber noch eine Weile ­dauern.

Welches Potenzial steckt noch darin?

Im «Metaverse», dem dreidimensionalen Internet, dürften Kryptowährungen zur bevorzugten Währung werden. Damit lassen sich weltweit Zahlungen erledigen – innert Minuten und vollständig digital. Zudem ist die Rückverfolgbarkeit deutlich besser als bei klassischen Zahlungsmitteln, da alle Zahlungen in einer nicht manipulierbaren Datenbank gespeichert werden, der Blockchain.

Die Fragen wurden von Daniel Diemers, Experte und Mitgründer der SNGLR Group, beantwortet.

next-big-thing-roman-keller

(Foto: Roman Keller)

Häuser aus dem 3-D-Drucker

Eine Mauer aus dem 3-D-Drucker? Das geht. Die Geräte sind in der Lage, einzelne Bauteile wie Schächte oder Wände aus Beton herzu­stellen. In der Schweiz kommen die Maschinen etwa in Projekten der ETH Zürich zum Einsatz. Derzeit sind die Herausforderungen aber noch gross. Es gibt erst wenige Fachpersonen, die solche 3-D-Drucker programmieren können. Auch an geeigneten Materialien wird getüftelt, schliesslich müssen diese druckbar und solide sein. Das Ziel: bald grössere, komplexere und vor allem günstigere Drucke zu ermöglichen.

next-big-thing-cargo sous terrain

(Foto: Cargo Sous Terrain)

Warentransport unter der Erde

Beim Projekt Cargo sous terrain soll bis 2045 ein unterirdisches Tunnelnetz vom Genfer- bis Bodensee entstehen, in dem ein Grossteil aller Güter in der Schweiz transportiert werden kann. Unter dem Verkehrsstau hindurch. Das Ganze kostet rund 30 Milliarden Franken; private Investoren sollen es bezahlen. 2023 hat das Unternehmen die ersten Bohrungen vorgenommen und die Gesteinsschichten rund 40 Meter unter dem Boden analysiert. Bereits in drei Jahren sollen die Bauarbeiten für die Teilstrecke vom Kanton Solothurn nach Zürich beginnen, 2031 die ersten Transportwägelchen fahren.

Foto/Bühne: Getty Images

Auf welche Innovation bist du am meisten gespannt? Sag es uns in den Kommentaren!

Deine Meinung